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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Sprechende Namen

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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"Das Pferd heißt Pferd, weil man damit fährt" und "der Löwe heißt Löwe, weil er durch die Wüste löft." Das sind scherzhafte Erklärungen der beiden Tiernamen, vielleicht um die Erklärungen der Lehrer zu veräppeln.

Manche Wörter erklären sich selbst, sie sind "sprechende Namen": Die Brennnessel brennt auf der Haut. Die Zaunwinde windet sich am Zaun hoch. Die Feuerwehr wehrt dem Feuer und der Stecker wird in die Steckdose gesteckt.

Das ist aber nur ein winziger Teil unsres Wortschatzes. Den Rest versucht die Etymologie zu ergründen. Griechisch étymos bedeutet 'wahr, aufrichtig'[1]. Manche Griechen glaubten, Wörter und Namen seien genaue Abbilder oder sogar Vorbilder der Wirklichkeit.

Wir können aber auch aus sprechenden Namen nicht auf das schließen, was gemeint ist. Das Uhrwerk ist keine Uhrenfabrik, sondern der Antrieb einer Uhr. Entscheidend ist nicht die wörtliche Bedeutung der Teilwörter, sondern der Sprachgebrauch. Noch schwieriger ist es bei Fremdwörtern: Etymologie ist nicht die 'wahre Lehre', sondern die 'Lehre vom wahren Ursprung der Wörter'. Sprechende Namen sind also keine Verständnishilfen, sondern nur "Eselsbrücken", damit wir uns die Wörter leichter merken können. Sie sind irreführend, wenn wir die Hintergründe nicht kennen. Wörter und Namen sind nicht zu vergleichen mit "Fotos" oder "Bauplänen", sondern mit "Stichwörtern" im Lexikon, unter denen wir weitere Informationen finden.

Die Etymologie hilft uns Zusammenhänge zu erkennen.  Wir dürfen uns aber nicht mit dem heutigen Wortschatz begnügen (Löwe / läuft), sondern müssen zurückgehen zu den ältesten bekannten Sprachzuständen, etwa zum afroasiatischen Namen der Raubkatze: lawu 'Brüller'.[2] Die Wortbedeutung ergibt sich nicht aus dem Wort oder seiner Geschichte, sondern aus dem Sprachgebrauch.

 

 

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Echo Online

 

Datum: 09.08.2016

Aktuell: 09.02.2019