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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Licht und Dunkel

Sprachecke in den Echo-Zeitungen

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Licht ist ein umfassender Begriff, zu dem das Adjektiv licht und das Verb leuchten gehören. Diese Wortfamilie gibt es in fast allen indogermanischen Sprachen als leuk-.[1]

Die Vokale von Licht (alt Liecht) und leuchten sind gefärbt durch die dunklen oder hellen Folgelaute im Germanischen: germanisch leuchta(m) wurde althochdeutsch zu liocht 'Licht', leuchtjan zu liuchten 'leuchten'.[2]

Für das Gegenteil von Licht haben wir mehrere Vokabeln: dunkel[3], finster[4], düster[5], Schatten[6]. Das hängt damit zusammen, dass wir die vielen Zwischenstufen zwischen hell und dunkel eher der Finsternis zuordnen als dem Licht.

Es hat sich aber vor 500 Jahren eine Vokabel auf die Seite des Lichts geschlagen, die ursprünglich die Lautstärke bezeichnete, nämlich hell, und hat dem alten Adjektiv licht den Rang abgelaufen. Hell hatte bedeutet 'laut tönend' und gehört zu Hall und holen (eigentlich 'herbeirufen').[7]

Die indogermanischen Sprachen haben einheitliche Wörter für 'Licht' und 'Nacht', nokts[8], aber nicht für 'Tag'. Denn das Grundwort dei- 'leuchten' hat sich in unterschiedliche Richtungen entwickelt: zu 'Tag' (lateinisch díes), 'Himmel' (lateinisch dîvum 'freier Himmel'), 'Gott' (lateinisch deus) und zum Namen des Himmelsgottes (Zeus, Jupiter, Zio).[9] Da musste man entweder wie im Lateinischen die Wortgestalt abwandeln oder wie im Deutschen andere Vokabeln wählen: Tag, Himmel, Gott.
Zu germanisch dagas 'Tag' gibt es keine direkt vergleichbaren Parallelen. Wahrscheinlich gehört es zu altpreußisch (baltisch) dagis 'Sommer' und weiter zu indogermanisch dheghw- 'brennen', das sonst im Germanischen keine Spuren hinterlassen hat: Sommer und Tag sind warm, Winter und Nacht kalt.
[10]

 

[2] u vor a wurde o, blieb aber vor j erhalten.

 

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Übersicht

 

Echo Online

Begriffe: hell und dunkel

 

Datum: 13.12.2016

Aktuell: 09.02.2019