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Heinrich Tischner

Fehlheimer Straße 63

64625 Bensheim

Passa oder Pascha?

Sprachklaubereien in der Evg. Sonntagszeitung

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In der ersten Vollmondnacht im Frühling feiern die Juden ihr Passamahl, dieses Jahr in der Nacht vom 13. auf den 14. April, also von Gründonnerstag auf Karfreitag. In dieser Nacht hat Jesus das Abendmahl eingesetzt, kurz darauf wurde er in Gethsemane verhaftet und am nächsten Tag auf Golgatha gekreuzigt. Am folgenden Sonntag feiern wir seine Auferstehung.

Die Juden zelebrieren an Passa im Familienkreis ein feierliches Essen zu dem Matzen (ungesäuerte Brote), Wein, bittere Kräuter und eine Süßspeise gereicht werden. Das in der Thora vorgesehene Lamm müsste im Tempel geschlachtet werden, und den gibt es seit 71 n. Chr. nicht mehr. Zur Erinnerung liegt aber ein angebratener Lammknochen auf dem Tisch. Zum Festessen gehört eine Liturgie mit Lesungen, Liedern und Gebeten im Gedenken an den Auszug aus Ägypten.

Der Name dieser Feier wird verschieden geschrieben: evangelisch "Passah", modern "Passa" und katholisch "Pascha", das "Pass-cha" gesprochen wird. Wie kommt es zu diesen verschiedenen Namensformen? Der hebräische Name lautet pässach mit Ton auf der ersten Silbe. Am Satzende wird regelmäßig aus dem kurzen Ä ein langes A, also pâßach, daher die evangelische Schreibung "Passa(h)". (Ähnlich wechseln hebräisch Häbel und lateinisch Abel.) In der griechischen und lateinischen Bibel steht dagegen pascha, abgeleitet aus dem Aramäischen. Das A am Schluss ist eine Art Artikel. Im Aramäischen steht also neben dem unbestimmten pässach das bestimmte pass-châ mit Ton auf der letzten Silbe und Ch wie in ach.

Das griechisch-lateinische Wort pascha wurde in den meisten europäischen Sprachen zum Namen des christlichen Festes der Auferstehung: romanisch pasca, pascua, nordisch påsk, altslawisch paska. Tschechisch velikonoce ist die 'große Nacht', ähnlich sagt man bei anderen slawischen Völkern. Im Deutschen (Ostern), Englischen (Easter) und einigen slawischen Sprachen (kroatisch Uskrs) nennt man das Fest nach der Himmelsrichtung (Ost, East, istok).

Das Englische hat auch für den jüdischen Feiertag einen eigenen Namen: passover, zusammengezogen aus pass over 'vorübergehen' (nicht zu Passa, sondern zu passieren, von lateinisch passus 'Schritt'). Grundlage ist die biblische Deutung (2. Mose 12,12+13), dass in der Nacht vor dem Auszug aus Ägypten ein Engel zwar die ägyptischen Erstgeborenen tötete, aber an den Häusern der Israeliten vorüberging (hebräisch paßách) und sie verschonte. Das hebräische Verbum bedeutet an anderen Stellen 'lahmen, hinken', das entsprechende arabische faschacha 'große Schritte machen'.

Luther gab den Namen des Feiertags im Alten Testament mit "Passah" wieder, im Neuen mit "Ostern".

   

 

 

 

 

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Evangelische Sonntagszeitung Hessen und Nassau

Sprachecke 11.04.2006 | Etymologie Ostern

 

Datum:

Aktuell: 09.02.2019