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Heinrich Tischner Fehlheimer Straße 63 64625 Bensheim |
Der biblische Stamm Dan
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Dan Danae |
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Die Söhne Jakobs![]() Nach Gen 30,1-8 war Dan ein Sohn Jakobs von Bilha, der Magd Rahels und galt damit wie sein Bruder Naftali als Sohn Rahels. Die beiden nehmen also eine Sonderstellung unter den Stämmen Israels ein: Sie gehören weder zu den alten Leastämmen noch zu den jungen Rahelstämmen. Wenn die Reihenfolge der Geburten etwas mit der Zeit der Konsolidierung der Stämme zu tun hat, so müssten Dan und Naftali zwischen den Lea- und den Rahelstämmen ins Land gekommen sein. Sie gelten Gen 37,2 als ältere Brüder Josefs (von den Leasöhnen ist auffallenderweise nicht die Rede), was diese Meinung bestätigt. DanDer Name Dan wird Gen 30,6 erklärt mit "Gott hat mir Recht verschafft", zum hebräischen Wort דין (dîn) 'Recht schaffen', דן (dán) 'Richter'. Nach Richter 18 saßen die Daniten zunächst an der Westgrenze Judas in den Städten Zora und Eschtaol und zogen von dort in den Norden Galiläas, wo sie die Stadt Laisch eroberten und sie "nach dem Name ihres Vaters" in Dan umbenannten. Diese Angaben werden von Josua 19,40-48 bestätigt, nur dass da das Gebiet der Daniten wesentlich größer ist und bis an die Küste reicht. Aber die Tendenz dieses Abschnittes ist klar: Die angegebenen Größen der Stammesgebiete sind ideale Gebiete, auf die die Stämme zwar Besitzanspruch erhoben, die aber nie verwirklicht wurden. Aus Richter 1,14 geht hervor, warum die Daniten nur zwei Städte besaßen: Sie wurden "von den Amoritern aufs Gebirge gedrängt" und daran gehindert, die Küstenebene zu besetzen. Das ist bei der geringen Größe des Stammes auch nicht verwunderlich: Richter 18,16 u.ö. kann der Stamm nur 600 waffenfähige Männer aufbieten, dies im Unterschied etwa zu 26.000 Benjaminiten von Kap. 20,15. Es ist freilich denkbar, dass die Daniten kurz vorher eine vernichtende Niederlage erlitten hatten, die ihren Bestand dermaßen dezimierte. NaftaliNaftali dagegen war angeblich schon von Anfang an in Galiläa ansässig. Der Stamm wurde vielleicht nur wegen seiner späteren Nachbarschaft zu Dan zu einem Bruderstamm, hatte aber ansonsten eine eigene Geschichte. Simson und HeraklesAus Zora stammt der Daniter Simson, in
ständiger nachbarlicher Feindschaft mit den Philistern lebt, aber nichts
dabei findet, seine Liebschaften im Philisterland zu suchen.
Dan = Danaer?SeevölkerSimson ist also anscheinend das israelitische Gegenstück zum griechischen Herakles. Dann aber liegt es auf der Hand, in den biblischen Daniten eine Splittergruppe der Danaer Homers zu sehen, die Troja zerstörten (zusammen mit den Achaiern) und des Seevölkerstamms der Danuna, die Ägypten bedrohten und schließlich um 1275 von Ramses III vernichtend geschlagen wurden. Interessanterweise nennt dieser Pharao neben den Danuna und anderen Seevölkerstämmen auch die Aikewascha - also dieselbe Zusammenstellung von Danaern und Achaiern wie bei Homer. Die Daniten müssten also zusammen mit den Philistern im Zuge der Seevölkerwanderung um 1200 nach Palästina gekommen sein. Interessanterweise leben sie ja in ihrem alten Stammesgebiet um Zora und Eschtaol in unmittelbarer Nachbarschaft der Philister. Schließlich werden Zur Zeit Davids noch andere Völker außer den Philistern genannt, die offenbar auch mit den Seevölkern ins Land kamen: Außer den Plethi (=Philistern) gehörten auch Kreti = Kreter zur Leibwache Davids, und einer seiner Offiziere namens Urija war ein Hethiter. Dans "Bekehrung"Im Zusammenhang mit der Umsiedlung der Daniter erwähnt Richter 17 und 18, wie die Stadt Dan zu ihrem Heiligtum kam: Auf ihrem Weg in den Norden raubten die Daniten ein Götterbild, das einem Mann namens Micha "auf dem Gebirge Efraim" gehörte. Dieser hatte einen heimatlosen Leviten als Priester angestellt. Die Daniter nahmen diesen Mann gleich mit, und er wurde der Stammvater aller Priester in Dan. Zum Schluss erfahren wir auch, dass der Levit Jonathan hieß und ein Enkel von Mose war. Die Geschichte spielt also anscheinend nach dem Untergang des Stammes Levi und vor dem Einzug der Rahelstämme (sonst wäre Micha "ein Mann vom STAMM Efraim'' gewesen). Interessanter ist aber etwas anderes: Die Geschichte vom Raub des Gottesbildes und der Entführung des levitischen Priesters könnte außer der Entstehung des Heiligtums von Dan auch erzählen, wie die Daniten zu Jahweverehrern geworden sind: Sie schlossen sich mit ihrer Übersiedlung dem israelitischen Kultverband an und galten also erst in Galiläa als Israeliten. Diesen Zustand hat man dann in die Vergangenheit zurückprojiziert und nahm an, dass der Stammvater Dan genau wie die anderen ein Sohn Jakobs gewesen sei, obwohl man sich über die Sonderstellung dieses Stammes immer im Klaren war. Dan und DanaosDanaeErwähnenswert ist noch Danae, die Mutter des Perseus, der ebenfalls in der Argolis beheimatet war und König von Tiryns gewesen sein soll. - Ebenfalls mit Argos verbunden ist der Name von Herakles, einem Nachkommen des Perseus. Herakles galt später als Stammesheros der Dorer; da aber bereits Homer dieses Gestalt kennt, ist anzunehmen, dass die um 1000 eingewanderten Dorer Herakles als ihren Heros nicht mitgebracht, sondern auf der Peloponnes vorgefunden hatten. Nun aber ist Danaos mit seiner vielen unheimlichen Töchtern keine historische, sondern eine mythologische Gestalt. Die Inder kennen ihn unter dem Namen Danu: ein mächtiger böser Dämon, Vater vieler Dämonengeschlechter, der Danuwas. Daneben gibt es noch die Danawas, ebenfalls eine Schar böser Dämonen. Die Parallele könnte nun Zufall sein. Aber die Iren kennen auch ein Geisterheer, allerdings guter Art: die Tuatha Dé Danann "Völker der Göttin Dana", und sie leiten sich zugleich von einem mythischen Stammvater Donn ab, offenbar derselbe, den Caesar VI 18,1 unter dem Namen Dis Pater als Stammvater der Gallier angibt. Dis Pater war ein Gott der Unterwelt also auch hier eine Beziehung zum Unheimlichen, Chthonischen. Dan, ein indogermanischer StammDie Daniten waren also ursprünglich ein indogermanischer, kein semitischer Stamm und weisen enge Beziehungen zu den griechischen Danaern und zu, den Kelten auf. Mit beiden haben sie den Namen des Stammvaters gemeinsam, was bei den Iren nicht selbstverständlich ist, denn zwischen dem Namen Donn und dem der Iren (oder einem keltischen Stammesnamen) besteht keine Verbindung. Dan und DänenEine weitere Verbindung ergibt sich vielleicht zu den Dänen (anord. Danir), die einen sagenhaften König Dan hatten und an ein Geisterwesen namens Dain glaubten (Edda S. 107 ist Dain anscheinend einer der Oberster der Alben, der sich auf die Runen versteht). |
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Datum: 1981 / 2015 Aktuell: |
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